Camp 14 – Die Hölle Nordkoreas

Die Geschichte eines Arbeitslagers, das bis heute noch Menschen zum Kohlenschaufeln zwingt, in dem Frauen und Kinder in kleinen Häusern auf Betonböden schlafen müssen und wo öffentliche Hinrichtungen zum Alltag gehören, ist keine Erinnerung aus Geschichtsbüchern, sondern Gegenwart: „Camp 14“ in Nordkorea ist solch ein Lager. 

Shin Dong-hyuk

Nur schwer kann Shin Dong-hyuk die Erinnerung an das Leben im Camp vergessen. (Foto: © camp14-film.com)

Shin Dong-hyuk war erst sechs Jahre alt, als er zum ersten Mal in den Minen arbeiten musste. Gemeinsam mit seiner Mutter und den anderen Erwachsenen schaufelte er Kohle und schlief in einem Zimmer, das nicht nur Schlaf- und Kochplatz war, sondern auch keine Möbel besaß. 1983 ist Shin im nordkoreanischen Arbeitslager „Camp 14“ geboren und seither ein Schatten, der von einer Welt außerhalb der Lagermauern nichts wusste. Seine gesamte Kindheit und Jugendzeit hat er im Lager, der mit dem Beinamen „Total Control Zone“ bestückt wird, verbracht bis er eines Tages fliehen konnte. Es fällt dem jungen Mann nicht leicht über das erlebte zu sprechen. Doch in dem gleichnamigen Film, der hier in Deutschland das erste Mal auf ARTE erschien, ist er endlich bereit die Vergangenheit loszulassen. Oder nicht?

Die Geschichte von Shin Dong-hyuk ist so unfassbar und dennoch ist sie wahr. Unbegreiflich ist die Tatsache, wie menschenverabscheuend die nordkoranische Regierungsfamilie Kim über die eigenen Bürger wacht. Das Land ist bekannt dafür Menschenrechte gar nicht erst anzusehen geschweige denn diese zu wahren. Arbeit. Kontrolle. Ordnung. Nicht mehr und nicht weniger. Menschen in Nordkorea werden gezwungen vor der Öffentlichkeit „gute Mine zum bösen Spiel“ zu machen. Wenn es denn jemand aus dem Ausland je schafft in das Land zu kommen, denn Nordkorea ist hermetisch von der Außenwelt abgeriegelt. Niemand soll erfahren, was wirklich dort passiert. Und so stoßt man hierzulande nur zufällig auf Informationen, die beweisen welche Ungerechtigkeiten sich jeden Tag in Nordkorea abspielen. Genauso ist es mit Shins Geschichte: er konnte fliehen, viele nicht.

Total Control Zone

Nur anhand seiner Erinnerungen konnten die Filmemacher Szenen aus dem Camp rekonstruieren. (Foto: © camp14-film.com)

In dem knapp zweistündigen Film beschreibt der Koreaner nur schweren Herzens, was er im Lager erlebt hat. Man sieht es ihm deutlich an, dass ihn seine Vergangenheit immer wieder einholt. Albträume vom „Camp 14“ schleichen sich nachts immer wieder in seinen Schlaf und er kann nichts weiter tun, als sich den ganzen nächsten Tag abzulenken. Meistens sitzt er aber auch in seiner Wohnung auf dem Boden und denkt nach. Nicht zu lange, nur so viel, dass er für ein paar Stunden die Albträume vergisst.

Als Shin vier Jahre alt war, sah er zum ersten Mal mit seiner Mutter bei einer Hinrichtung im Lager zu. Alle Arbeiter, die nicht mit wichtigeren Sachen beauftragt waren, hatten dort zu erscheinen. Auch Kinder. Immer wieder flößten die Wärter den Arbeitern Angst und Schrecken ein und machten deutlich, wie hart die Bestrafung für diejenigen sei, die nicht fleißig genug arbeiteten. Nur noch in seiner Erinnerung existieren diese schrecklichen Szenen, die er aber so detailliert beschreiben kann, dass es den Produzenten des Films gelang mithilfe von Animationen und Zeichnungen diese Bilder eindrucksvoll zu rekonstruieren.

Auch Interviews mit ehemaligen Offizieren und Lagerwärtern haben sie geschafft zu führen, aufzunehmen und sie in den Film einfließen zu lassen. Sie füllen viele Wissenslücken, die jeder aufweist, wenn man an Nordkorea denkt. Die interviewten Personen erzählen wie einfach es sein kann in Nordkorea verhaftet zu werden. Man braucht dafür nur die Führer Kim II-Sung und Kim II-Jong ohne die Anredeform Tongji, „Genosse“, beim Namen zu nennen. Diese Menschen kommen sofort in ein Lager. Viele weitere kontroverse Themen werden im Film analysiert und inszeniert. Dieser erschien am 22. April 2015 im Fernsehen und ist noch bis zum 22. Mai in der Online-ARTE-Mediathek verfügbar. Außerdem kann man sich noch über die Webseite des Camps näher über Shins Fall informieren.

Schaut ihn euch an! Macht alle, die ihr kennt darauf aufmerksam, wie wichtig es ist, dass Menschenrechte gefördert und geschützt werden müssen. Auch wenn diese schrecklichen, unvorstellbaren Dinge in einem Land stattfinden, das so weit weg und so stark von der Außenwelt abgeschirmt ist, dürfen wir und sollten wir nie vergessen, dass es ebenso um Menschen geht. Um Menschen wie du und ich.

Hier geht es zum Video.

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