Die Liste, die Leben rettete

Der Genozid der Juden ist das größte Menschheitsverbrechen der Welt. Das Naziregime des Dritten Reiches sanierte durch die systematische Vernichtung der Juden und die Beschlagnahmung ihrer Besitztümer nicht nur den kurz vor der Zahlungsunfähigkeit stehenden Staatshaushalt, sondern finanzierte auch die territoriale Expansionspolitik. Dafür wurde die Arbeitskraft aller arbeitsfähigen Juden gnadenlos ausgebeutet. Neben Zwangsarbeiten in Arbeitslagern, konnten Großindustrielle, die kriegswichtige Produktionen führten, Juden, die unter der Kontrolle der SS waren, gegen eine geringe Gebühr in ihren Betrieben beschäftigen. Damit waren Juden die mit Abstand günstigsten Arbeitskräfte, wovon  Großindustrielle profitierten. So auch Oskar Schindler (1908-1974), ein aus Mähren stammender Sudetendeutscher, dem in dem Film Schindlers Liste (1993) von Steven Spielberg ein Denkmal gesetzt wurde.

Schindlers Liste

Bild: © imdb.com

Oskar Schindler (Liam Neeson) kommt als bisher erfolgloser Geschäftsmann in das gerade besetzte Krakau. Dort hofft er mit Hilfe von jüdischen und polnischen Zwangsarbeitern, Geschäfte mit der SS und Wehrmacht einzugehen, indem er kriegswichtige Güter produziert. Durch seine militärischen Gönner und jüdischen Finanziers erwirbt Schindler eine Fabrik zur Herstellung von Emaillewaren. Glücklicherweise kommt Schindler in Kontakt mit dem Juden Itzhak Stern (Ben Kingsley), einem Funktionär im Judenrat, dessen Beziehungen zu jüdischen Geschäftsleuten und Geschick die Emaillenwarenfabrik zu voller Blüte verhilft, was Schindler zu einem sehr wohlhabenden Mann macht. Während Schindler seinen neuen Reichtum in vollen Zügen genießt, verhilft Stern vielen Juden aus dem Krakauer Ghetto in Schindlers Fabrik unterzukommen, wodurch sie als kriegswichtige Arbeiter eingestuft wurden und somit vor dem Abtransport in Vernichtungslager beschützt waren. Auch wenn Schindler mit der Vorgehensweise Sterns nicht ganz übereinstimmt unternimmt er nichts dagegen. Stattdessen finden immer mehr Juden den Weg in Schindlers Fabrik. Zur Zeit der Räumung des Krakauer Ghettos kommt der SS-Offizier Ammon Göth (Ralph Fiennes) für die Umsiedlung und Erstellung des Zwangslagers und Zwischenlagers Plaszow nach Krakau. Während der Räumung des Ghettos, bei der auch Schindlers Juden mit abtransportiert werden, sieht Schindler die Schreckenstaten, Brutalität, Willkür und Unmenschlichkeit des Nazi-Regimes. Er überredet Göth gegen Bezahlung „seine“ Juden aus dem Lager Plaszow ihm zu überlassen. So fängt er an Juden in seiner Fabrik vor dem sicheren Tod zu schützen. Als Göth den Befehl zur Räumung des Lagers Plaszow erhält überredet Schindler ihn für eine immense Summe Juden zu verkaufen, worauf Göth eingeht. Schindler macht sich mit Stern an die Arbeit und fasst die Juden, die er kaufen möchte in einer Liste zusammen. So rettete Schindler über 1.200 Juden, die sich fortan nur noch die „Schindler-Juden“ nannten, vor dem Holocaust.

„Schindlers Liste“ ist einer der eindrucksvollsten Filme, die über die Verbrechen des Nazi-Regimes gedreht wurden, weil Steven Spielberg es vermag das schwere Schicksal der Verfolgten und Gepeinigten visuell glaubhaft einzufangen. Dieser Film propagiert, dass Moral und Anstand nie zu hohlen Worten verkommen dürfen und dass die menschliche Würde unantastbar sein und bleiben muss. Die düstere und beklemmende Stimmung im Film wird noch verstärkt durch die Wahl, den Film in zurückhaltendem Schwarzweiß zu belassen, was einen mehr an die Handlung fesselt und das bewegende Zeugnis aktiver Menschlichkeit in einer unmenschlichen Umgebung noch besser verkörpert. Das Zusammenspiel der drei Hauptfiguren, Liam Neeson, Ben Kingsley und Ralph Fiennes, die alle sehr verschiedene Typen charakterisieren, ist herausragend, vor allem ihre Entwicklung im Verlauf des Filmes: Ben Kingsley als ruhige Eminenz, der jeden Tag die harte Wahrheit des Holocaust zu spüren bekommt, Liam Neeson als Lebemann und Charismatiker, der von der Wirklichkeit schnell eingeholt wird und richtig reagiert und Ralph Fiennes als selbstgerechter, sadistischer, eiskalter, psychopathischer Massenmörder, was die Nazi-Ideologie grandios in Szene setzt. Dieser Film ist ein absolutes Muss und offenbart eine der größten Wahrheiten: „Wer nur ein Menschenleben rettet, rettet die ganze Welt.“

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