Ein Hotel als letzte Zuflucht

Bürgerkriege offenbaren zumeist die schrecklichsten Eigenschaften von Menschen. Immer wieder werden Länder und Völker erschüttert durch diese Form des Krieges, bei der, angefacht durch Meinungsverschiedenheiten, Machtübernahmen, Differenzen zwischen verschiedenen Volksgruppen, Unterdrückung oder aber einfacher Willkür, Mitmenschen, Nachbarn und Freunde plötzlich zu Feinden werden. Ein besonders schrecklicher Fall des Bürgerkrieges ereignete sich im Jahre 1994 in Ruanda, einem der ärmsten Länder Afrikas, welcher in dem von den Hutu durchgeführten Völkermord an den Tutsi gipfelte. Zwischen April und Juni 1994 wurden ca. 75 % der in Ruanda lebenden Tutsi-Minderheit getötet. Doch auch während solch menschenentwürdigenden Zeiten gibt es Menschen, die sich den Ungerechtigkeiten widersetzen und für den Frieden einstehen, wobei häufig das eigene Leben in Gefahr gerät.

Hotel Ruanda

(Foto: © imdb.com)

In dem auf wahren Begebenheiten beruhenden Film „Hotel Ruanda“ (2004) von Terry George wird genau dieses thematisiert. Paul Rusesabagina (Don Cheadle), der Hotelmanager des Hotels „Des Mille Collinas“ in Kigali, rettete in seinem Hotel über 1.200 Tutsi Flüchtlinge vor dem sicheren Tod. Die Erzählung beginnt wenige Tage vor dem 6. April 1994, dem Tag an dem der Völkermord beginnt und zeigt die Arbeit und das Leben von Rusesabagina und dessen Familie. Als das Flugzeug des Präsidenten abgeschossen wird eskalieren die Gewalttaten und die Hutu-Rebellen beginnen mit der „ethnischen Säuberung“ Ruandas. Anfangs rettet Rusesabagina, selbst ein Hutu, seine Frau Tatiana (Sophie Okonedo), Familie und die Nachbarsfamilie und bringt sie in dem Hotel unter. Doch schnell wird das Hotel zu einem Flüchtlingspunkt für über 1200 Tutsi Flüchtlinge, da das Hotel, wegen vieler ausländischer Hotelgäste, von UN-Truppen geschützt wird. Anfangs glaubt jeder an eine vorübergehende Notsituation, da Hilfe der Vereinten Nationen zu erwarten sei. Jedoch werden nur ausländische Hotelgäste von den UN-Soldaten evakuiert und lassen die verzweifelten Tutsi Flüchtlinge zurück und nehmen damit das letzte Hindernis für Hutu-Rebellen das Hotel zu stürmen. Aus der Not heraus ernennt sich Rusesabagina zum Hotelchef, besticht die Hutu-Milizen mit alkoholischen Getränken, Bargeld und Wertgegenständen und rettet so mit einigen zurückgebliebenen UN-Soldaten die Flüchtlinge.

„Hotel Ruanda“ ist ein eindrucksvoller Film, der strikt die Ereignisse des Völkermordes in Ruanda aus der Sicht der im Hotel lebenden Flüchtlinge wiedergibt und somit weitestgehend auf blutige Gewaltszenen, Massaker und überharte Brutalität verzichten kann. Die Verzweiflung und Angst der Flüchtlinge reißen einen auch so förmlich mit. Gleichzeitig hinterlässt der Film einen bitteren Beigeschmack und lässt einen fast beschämt zurück, weil die Vereinten Nationen und die westliche Welt den Genozid nicht stoppten und ihre Hilfe verweigerten. Grandios ist die schauspielerische Leistung Cheadles, der die Entwicklung des Weltverständnisses des Protagonisten vom Kapitalisten zum Humanisten wirkungsvoll auf die Leinwand bringt. Der Film lässt einen die erschreckende Zeit in Ruanda miterleben und meistert die Mischung aus historischen Fakten und bewegender persönlicher Schicksale.

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