Eine verkehrte Welt

Ins Gefängnis zu müssen, weil man seinem Job nachgeht ist etwas, was scheinbar nur in autoritären Staaten passiert. Es klingt wie eine Geschichte aus längst vergangener Zeit. Aus einer Zeit, in der Menschen von Kaisern, Königen sowie fanatischen und willkürlichen Diktatoren regiert wurden. Doch das ist längst nicht mehr nur Teil der Vergangenheit, noch heute müssen Menschen um ihre Menschenrechte fürchten.

Waleed Abu al-Khair

Der Anwalt Waleed Abu al-Khair muss für 15 Jahre ins Gefängnis (Foto: © Privat)

Am 08. Juli 2014 wurde der saudi-arabische Menschenrechtsaktivist Waleed Abu al-Khair zu 15 Jahren Haft verurteilt. Der bekannte Anwalt und Vorsitzende des in 2008 gegründeten Menschenrechtsmonitors in Saudi-Arabien muss ins Gefängnis und das nur, weil er nicht mit seiner Regierung übereinstimmen wollte. Al-Khair hatte viele Menschen, die in seinem Heimatland in ihren Menschenrechten verletzt wurden vor Gericht vertreten. Einer seiner Mandaten war der Blogger Raif Badawi. Der Online-Aktivist wurde am 7. Mai 2014 zu 10 Jahren Haft, 1000 Stockhieben und einer Geldstrafe von mehr als 190.000 Euro verurteilt. Am 09. Januar erhielt er seine ersten 50 Hiebe.

Waleed Abu al-Khair musste 2011 das erste Mal vor Gericht, nachdem er eine Erklärung unterzeichnet hatte, in der er die Verfolgung von 16 ReformerInnen durch die Behörden anprangerte. Im Oktober 2013 wurde er daraufhin vom Strafgericht in Dschidda zu einer dreimonatigen Haftstrafe verurteilt. Das jetzige Verfahren gegen den Anwalt wurde auf der Grundlage eines neuen Antiterrorgesetzes eingeleitet, das im Februar 2014 nach der Unterzeichnung durch den König in Kraft trat. Da al-Khair nicht die Legitimität des Gesetzes anerkannte, sitzt er nun im Gefängnis und musste, um Badawi verteidigen zu können, eine Sondergenehmigung beantragen.

Das Gericht bleibt weiterhin hart und verweist darauf, dass der Angeklagte die gesamten 15 Jahre in Haft verbringen muss, weil er sich nicht offiziell entschuldigt hätte. Auch er darf wie Badawi nicht mehr Ausreisen und muss zudem noch über 300.000 Euro Strafe zahlen.

Wieder einmal sind den Autoritäten von Saudi-Arabien Menschenrechte nicht wichtig. Online-Aktivisten, Blogger und normale Bürger sind vor der harten Führung ihres eigenen Heimatlandes nicht sicher. Und auch Anwälte und freiwillige Unterstützer, die für die Sicherheit ihrer Mitmenschen kämpfen, müssen immer wieder um ihr Leben bangen. Es scheint eine völlig andere Welt zu sein, eine Welt in der Menschen um ihre Freiheiten fürchten müssen. Der lange Arm des Königreiches reicht bis in die kleinsten Winkeln des Landes. Die Wände in den Häusern und Straßen haben Ohren und niemand kann sicher sein wer mithört und als nächstes bestraft wird.

Amnesty International in Deutschland ruft um Hilfe und bittet alle die, die diese Ungerechtigkeiten nicht mehr dulden wollen, sich der Bewegung für Waleed Abu al-Khairs Freilassung anzuschließen. Mehr Informationen zu diesem Fall und wie ihr helfen könnt, erfahrt ihr hier. Helft der NGO in ihrem Kampf gegen Menschenrechtsverletzungen, um Menschen wie al-Khair oder Badawi vor „Staats“-Hieben zu retten. Weil jeder Mensch es wert ist.

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