Identitäten aus dem Ausland

Jeder Mensch hat eine Identität. Jeder weiß, wo und wann er geboren ist. Dies ist jedenfalls bei uns der Fall. In vielen Entwicklungs- und Dritte Welt Ländern existiert die Identität nur in den eigenen Gedanken und Erinnerungen, nicht jedoch auf dem Papier.

Burundi, Identitäten per Post

Die junge Frau aus Burundi hatte noch nie eine eigene Identität (Foto: © africa.undp.org)

In der Republik Burundi, einem Binnenstaat in Ostafrika, leben heute immer noch Tausende von Menschen ohne jemals einen Ausweis in der Hand gehalten zu haben. Die meisten von ihnen sind erwachsene Frauen, so auch Mayisha Sikitu, die in einem kleinen Nachbarschaftsort in Bujumbura, der Hauptstadt des Landes lebt. Sie hat 5 Kinder. Als das Letzte geboren wurde, sah die junge Frau ein, wie schwer das Leben sein kann, wenn man keine Identität hat: Ohne einen Ausweis ist es ihr nicht möglich in einem Krankenhaus ihr Kind zu bekommen. Auch Busfahren ohne die Identität vorweisen zu können ist ein schweres Unterfangen, wenn nicht sogar unmöglich.

Was einem zum Nachdenken bringt ist jedoch die Tatsache in Burundi 46 Prozent der Senatoren Frauen sind. Nur in Bolivien ist dieser Prozentsatz höher. Das Land schreibt sogar vor, dass 30 Prozent der Amtsträger weiblich sein müssen. Doch um für ein solches Amt zu kandidieren muss man einen Ausweis besitzen, also seine eigene Identität nachweisen können. Doch wie kann ein Land, dass so viele Frauen als Politikerinnen im Amt hält so viele erwachsene Frauen im eigenen Land ohne Identität leben lassen? Was hindert die Frauen daran einen Ausweis zu beantragen?

Die Antwort ist wie immer die gleiche: Geld. Zu hoch sind die Kosten für eine einfache Frau sich einen Ausweis zu besorgen, stattdessen ist sie auf ihren Mann angewiesen und wenn dieser stirbt stehen ihre Chancen zu überleben nur noch schlechter. 2009 wollte die UNDP (United Nations Development Program) dem entgegen kommen und konnte fast 1 Million Menschen, von denen 59 Prozent Frauen waren, mit dem ersten Ausweis ihres Lebens eine Freude machen, das geht aus einem Bericht der UNDP aus dem selben Jahr hervor. Auf diese Weise können viele junge Frauen die unzähligen Vorteile nutzen, die man erhält, wenn man anderen nur vorlegen kann wie man heißt.

Auf die Frage was ihr der Besitz des Ausweises gebracht hat lächelt Mayisha Sikitu heute und antwortet:“Jetzt kann ich wählen. Jetzt kann ich mich bewegen. Jetzt muss ich nicht mehr jedes Mal sagen ‚Moment, ich hole eben meinen Ehemann‘, wenn etwas in unserem Leben nicht richtig funktioniert. Jetzt existiere ich.“

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