Lernwirrwarr

Eilen, bloß nicht verweilen,
immer weiter an dir feilen
Hoch würgen was gestern gelehrt
und langsam verweht,
vergeht, sich verdreht
Trotzdem irgendwie an deiner Kopfwand klebt,
als Blase bebt
Doch schwächer wird,
denn was dich bewegt ist,
was durch dein Display fegt,
auf der Etage im Wohnheim abgeht
Fasten, pauken,
nachholen oder stundenlang chillaxen
Kopf auf die Tasten,
der Finger über die Applikation
Frustration, Stagnation, Irritation
Donnerstags in der Menge stehen, an der
Sozialuhr drehen bis alle gehen,
du alleine bleibst,
um denselben Lernstoff kreist
Notizen durchgehen, wegschmeißen,
zerreissen bis dir einfällt,
dass du sie noch brauchst,
hast sie schließlich teuer eingekauft
Katern, ablenken, nachschenken, auskurieren,
Spotify und Netflix abonnieren
wo bleibt da Zeit zum studieren?
Trinken, weiter stressen,
den Scheinschmerz wegfressen
Kompetenzen vergessen,
lieber „Gefällt mir“ pressen
Sport treiben, Zeit ausleihen,
mit Kommilitonen verbleiben,
davon eilen
Shots verteilen, tanzen,
sich führen lassen
Bis Emotionen verblassen,
dann Mut wieder fassen
Es als YouTuber nebenbei probieren,
Verwandte schockieren,
die alten Freunde blockieren,
nächste Netzbombe drapieren
Durch die Prüfung fallen,
keine Uni-Party auslassen, Geld verprassen,
dann was neues studieren,
meditieren, sich im Ausland verlieren
Spekulieren, diskutieren, argumentieren
ob Jura oder Medizin,
Roofies oder Kokain, Fleiß oder Preis,
Stube oder Muckibude
Hauptsache nicht die letzten Hirnzellen verbrennen,
nackt durch die WG rennen,
die ersten Vorlesungen verpennen
Weiterleiden, die Eltern meiden,
sich selbst finden, betrinken,
tagelang stinken,
im Chaos versinken
Kellner-, Texter-, Hungerjobs annehmen
Bafög-Cents zusammenlegen,
sich von Matratze zu Matratze begeben,
austoben, Streber mobben,
Games zocken und frohlocken,
dass die letzte Klausur nur 2 Credits bringt
und beim dritten Versuch klappt’s bestimmt
Am Ende der Woche bei Mama landen,
der Kühlschrank gibt nichts her,
ist leer, wie dein Kopf
Nach dem Sinn graben,
weiter fragen, dazu beitragen,
dass es einfach kein Ende nimmt,
zur persönlichen Krankheit wird
und du einmal die Woche
bei Dr Psycho verbringst
Einknickst, nicht weiterkommst,
dich davon hoffst
Letztes Semester
den nächsten Zukunftsplan skizieren,
ausschweifen, abweichen
und dann begreifen:
Es wird nicht besser.
Und nicht schlechter.
Nur anders.

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