Nach über 20 Jahren immer noch kein Frieden für Frauen in Guatemala

Wenn man denkt, dass Gründe für Gewalt an Frauen nicht mehr übertroffen werden können, gibt es immer wieder Schicksale, die das Gegenteil beweisen. Frauen in Guatemala teilen alle ein gemeinsames Leid: die häusliche Gewalt. In einer Macho-Gesellschaft haben Frauen nur wenig zu sagen. Ein Leben in Angst und Schrecken ist meistens der Preis.

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Adelma Cifuentes

Adelma Cifuentes ist eine der vielen Frauen, die jeden Tag von ihren eigenen Männern misshandelt werden. (Foto © cnn.com)

Adelma Cifuentes ist eine der vielen Frauen, die um ihr Leben fürchten müssen und das nicht, weil sie in Kriegsgebieten oder ähnlichem leben, sondern weil sie gerade in Frieden leben. In Guatemala, eines der vielen Länder Zentralamerikas, herrscht nach jahrelangem Bürgerkrieg seit über 20 Jahren endlich wieder Frieden, doch genau das ist für die Frauen dort zum Verhängnis geworden. Als Mutter von drei Kindern mit einer Ausbildung, die nicht über die Grundschule hinausgeht, hat Adelma sich für ganze zwölf Jahre einsam, wertlos und ängstlich fühlen müssen. Im ländlichem Gebiet lebend dachte sie, dass es keinen Ausweg für sie geben würde.

Was mit Beleidigungen und leichten Schlägen begann, wurde jeden Tag immer schlimmer und bald hatte Adelma nicht nur um das eigene Leben, sondern auch um das ihrer Kinder fürchten müssen. Eines Tages kamen zwei bewaffnete Männer, die von Adelmas Ehemann beauftragt worden waren sie zu töten. Der erste Schuss hätte sie getötet, wenn ihre beiden Söhne nicht eingegriffen hätten. Hilfe von den Nachbarn kam erst gar nicht, viel später riefen einige besorgte Frauen die Polizei und einen Krankenwagen. Die Gewalttaten nahmen damit kein Ende: Der Ehemann vergriff sich darauf hin auch an seiner Tochter.

Folgen aus Guatemalas Vergangenheit sind bis heute noch präsent. Was während des langen Bürgerkriegs in dem Land passiert ist, scheinen viele heute immer noch am eigenen Leib zu spüren. Das, was Adelma erlebt hat ist keine Seltenheit, denn 10 von 100.000 Frauen in Guatemala werden jeden Tag getötet. Das Land hat laut einer Umfrage aus 2012 weltweit die drittgrößte Mordrate an Frauen. Während des Krieges wurden Frauen misshandelt, um so gegen Gegner zu demoralisieren. Als 1996 ein Friedensabkommen erarbeitet wurde hätten diese Taten aufhören müssen, doch dies sollte nur eine Wunschvorstellung bleiben.

Frauen aus Guatemala

Diese fünf Frauen, haben Misshandlungen überlebt und teilen nun ihre Geschichten mit anderen Opfern. (Foto: © cnn.com)

Viele Täter wurden nach dem Krieg ohne Verurteilung wieder in die Gesellschaft integriert, Frauen erlebten noch mehr Gewalttaten als zuvor und den Staat kümmert dies schon lange nicht mehr. Es wird in diesem Punkt viel zu wenig für die Frauen in Guatemala getan. 20 Jahre später gibt das Security Sector Reform Resource Centre an, dass die Gewalt an weiblichen Mitbürgern sogar noch schlimmer als während des Kriegs sei. 98 Prozent der Fälle kommen laut den Vereinten Nationen nicht einmal vor Gericht.

Frauen in Guatemala haben keine Kraft sich gegen diese tiefsitzende Gewalt zu wehren, der Femizid (Tötung eines Menschen aufgrund des weiblichen Geschlechts) ist viel zu stark verbreitet, die Macho-Gesellschaft ein viel zu großes Problem. Auch wenn einige Fortschritte in der Bekämpfung dieser meist häuslichen Gewalt erreicht werden konnten, so ist es damit nicht getan. Viele Menschen wissen gar nicht, was sich in Guatemala täglich abspielt. Aufklärung ist hier nötig um etwas zu erreichen. Vor allem die Arbeit von NGOs kann in diesem Fall helfen.

Adelma hat es geschafft sich aus eigener Kraft von ihrem Ehemann zu trennen, sie verlor dabei einen Arm, doch nicht ihren Willen sich gegen Ignoranz und Gewalt zu verteidigen. Doch wie viele Frauen befinden sich immer noch in den Klauen ihrer Männer, ohne zu wissen, wann dieser als nächstes zuschlagen wird? Wie viele Frauen müssen noch sterben, bis jemand in diesem Land den Teufelskreis der Gewalt bricht? Weil jeder Mensch es wert ist.

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