Vom Straßenjungen zum Millionär

In vielen Ländern dieser Welt ist das Wort Armut gar nicht mit dem zu vergleichen, was im Westen darunter verstanden wird. In anderen Ländern sind die Menschen nicht einfach nur arm, sondern leben am absoluten Existenzminimum. Dies bedeutet, dass sie kein Dach über dem Kopf haben und nicht über ausreichend Nahrung sowie Trinkwasser verfügen. In Indien, beispielsweise, leben mehr als 30 Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze, die auf 47 Rupien (57 Cent) pro Tag festgesetzt wurde. Für 47 Rupien bekommt man in Indien circa einen Kilo Reis mehr nicht. Besonders betroffen von der Armut sind Kinder. Schon früh müssen diese sich mit Betteln, Stehlen oder Prostitution durchschlagen. Bildung erhalten sie keine. Jährlich sterben in Indien mehr als 2 Millionen Kinder unter 5 Jahren. Es ist nur natürlich, dass bei ihnen der Wunsch nach einem besseren Leben und abgesicherten Überleben gleichbedeutend mit dem Wunsch nach Geld ist. Allerdings ist dies schwer zu erfüllen, da sie auch noch vom Großteil der Bevölkerung missachtet werden.

Slumdog Millionaire

(Bild: © imdb.com)

Die Geschichte eines Straßenjungen, der es über einen glücklichen Zufall bei der Fernsehshow „Wer wird Millionär?“ schafft sowohl Geld als auch Ruhe in seinem Leben zu finden, wird in dem Film Slumdog Millionaire (2008) von Danny Boyle erzählt. Der Film beginnt in einem Polizeirevier, in dem Jamal K. Malik (Dev Patel) gefoltert wird. Er steht bereits vor der letzten Frage der Fernsehshow, jedoch glauben die Produzenten der Show sowie die Polizei, dass er ein Betrüger sei, da er nur ein Straßenkind ist, ohne irgendeine nennenswerte Bildung. Die Polizisten gehen jede einzelne Frage der Show erneut mit Malik durch und er muss erzählen woher er die Antwort wusste, wobei er sein Leben Revue passieren lässt. Nach der Ermordung seiner Mutter werden Malik und sein Bruder wie viel andere zu Vollwaisen und müssen mit den harten Lebensbedingungen im modernen Indien zurechtkommen. Über das Leben auf einer Müllkippe, die Arbeit in einer Bettelorganisation, dem Bruch mit seinen Bruder bis hin zum Job als Teeservierer (Chaiwallah) in einem Callcenter durchlebt Malik mit seinem Bruder alles, was armen indischen Straßenkindern widerfahren können. Die Kommissare sind von seiner Geschichte überzeugt und lassen ihn schließlich zur letzten Frage antreten.

Slumdog Millionaire ist ein sehr eindrucksvoller Film, weil Danny Boyle es vermochte ein sehr schweres und trauriges Thema mit Humor, Romantik und Spannung auf die Leinwand zu zaubern. Viel Energie erhält der Film zudem durch die typisch indische Farbenpracht, Indiens Musik und die Wahl der indischen Drehgebiete, die einem voll und ganz fesseln und unterschwellig auf den indischen Subkontinent befördert. Besonders gelungen und nicht erzwungen ist die Verknüpfung zwischen den „Wer wird Millionär Fragen?“ und dem Leben des Kandidaten. Dies ist eine klare Gesellschaftskritik und zeigt auf erschreckend klare Weise, wie Kinder in schreckliche Dinge gedrängt beziehungsweise gezwungen werden können.

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