Von Syrien in ein sicheres Leben

Die Geschichte einer Frau über frühe Heirat, Konflikte und Genesung. 

(Eine Reportage von medium.com von „Human for humans“ ins Deutsche übersetzt.)

Amira mit ihren beiden Söhnen. Sie wurde schon mit 13 zwangsverheiratet. (© Abbie Trayler-Smith/Panos for DFID)

Amira mit ihren beiden Söhnen. Sie wurde schon mit 13 zwangsverheiratet. (© Abbie Trayler-Smith/Panos for DFID)

„Der Tag, an dem ich Syrien verließ um nach Jordanien zu fliehen und sich das Auto zum ersten Mal in Bewegung setzte, war es so, als floh ich in eine völlig andere Welt.“

Amiras Entscheidung dem Bürgerkrieg zu entkommen, scheint nicht typisch für eine Frau aus Syrien zu sein. Doch mit gerade mal 22 Jahren hatte sie eine andere Art von Trauma erlebt und das bevor der Krieg überhaupt angefangen hatte. Sie wurde bereits mit 13 Jahren verheiratet, hatte mit 14 ein Mädchen zur Welt gebracht, wurde mit 17 geschieden und dann erneut zur Ehe gezwungen. Da ist es nicht verwunderlich, dass die Flucht nach Jordanien wie eine Chance und zu gleich wie eine neue Herausforderung wirkte.

„Ich war zum ersten Mal in meinem Leben glücklich und konnte mich sicher fühlen“, sagt Amira. „Es war als wäre ich befreit worden.“ Amiras erster Ehemann hatte sie von Anfang an misshandelt, sogar während der Schwangerschaft. Er ließ sich nach der Geburt ihrer gemeinsamen Tochter scheiden. Das Kind wurde ihr genommen. Amira hat ihre Tochter seitdem nicht mehr wieder gesehen und weiß auch nicht wo sie sein könnte, obwohl sie glaubt, dass sie noch in Syrien leben müsste.

Und als wäre das nicht genug, wurde sie mit 17 noch einmal zwangsverheiratet. Als sie 19 wurde, hatte sie bereits zwei Söhne mit ihrem zweiten Ehemann. Dann wurde er im Bürgerkrieg getötet. Sie blieb nach dem Tod ihres Mannes für ein Jahr bei dessen Familie, doch auch das war hart. Zusätzlich wurde der Syrien-Konflikt der jungen Frau einfach zu viel. Sie entschied sich schließlich dafür nach Jordanien zu fliehen.

„Ich konnte die Situation nicht mehr ertragen oder einfach still vor mich hinleben“, sagte sie. „Immer wenn ich zu Bett ging, hatte ich Angst, dass wir getötet werden würden. Ich hatte Angst um meine Söhne. Meine Mutter wurde verletzt. Unser Haus wurde zerstört. Wir hatten fast alles verloren.“

Seit dem Tag, an dem sie in Jordanien ankam, erhielt Amira Unterstützung durch das International Rescue Committee, eine Hilfsorganisation für Flüchtlinge und Kriegsopfer. Das Komitee leitet drei Frauenzentren im Norden des Landes, in dem syrische Flüchtlingsfrauen sich treffen, miteinander sprechen und Zugang zu psychologischer Beratung erhalten können. Die Zentren stellen ebenso Informationen und Gruppenaktivitäten bereit. Dazu zählt die Beratung über finanzielle Hilfe sowie der Zugang zu Sprach- und Erholungskursen. Unterstützung erhält die Hilfsorganisation aus Großbritanniens Ministerium für Internationale Entwicklung.

Neben der umfassenden Beratung erhält Amira zusätzlich finanzielle Hilfe um ihre Grundausgaben decken zu können. Sie bekommt an die 100 jordanische Dinaren im Monat (circa 135 Euro). Wie viele andere Frauen, hatte Amira als sie nach Jordanien kam, nichts außer den Kleidern, die sie am Leib trug. Das Geld, das sie bis dahin gespart hatte war schnell für ihre Unterkunft ausgegeben worden.

Viele Sozialarbeiter, Psychologen und externe Teams des International Rescue Committes arbeiten daran besonders schwache Frauen auszumachen, die vor allem unter häuslicher Gewalt gelitten haben oder noch leiden – einschließlich Zwangsehen, wie die, die Amira hatte über sich ergehen lassen müssen.

Es gibt derzeit mehr als 600.000 eingetragene Flüchtlinge aus Syrien in Jordanien und vielleicht noch weitere 500.000, von denen niemand etwas weiß. Mehr als 3,8 Millionen  Menschen in Syrien sind zu Flüchtlingen geworden. Der syrische Konflikt dauert nun schon fast 5 Jahre an und es ist noch immer kein Ende in Sicht.

Die Geschichte von Amira beschreibt nur eines von unzähligen Schicksalen, die Frauen in Syrien und anderen Ländern in Vorderasien erleiden müssen. Damit ist nicht nur das Leiden während des Bürgerkriegs gemeint, denn auch ohne einen Konflikt ist es in diesem Teil der Welt üblich Frauen so schlecht zu behandeln. Vor allem Mädchen und junge Frauen werden jeden Tag zwangsverheiratet und führen ein qualvolles Leben hinter einem Schleier aus Angst. Sie sind zu schwach um sich zu wehren. Zu schwach um gegen ihre eigenen Eltern, die sie in dieses Leben übergeben, zu protestieren. 

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