Wenn Kinder zu Müttern werden sollen

Vor einigen Wochen haben wir über einen traurigen Tatbestand, der sich jeden Tag in El Salvador abspielt berichtet. Dabei ging es um die Willkürlichkeit, mit der die Regierung in diesem Land durchgreift, wenn es um Schwangerschaftsabbrüche geht. Doch es ist bei weitem nicht das einzige lateinamerikanische Land, das sich für ein absolutes Verbort jeglicher Art der Abtreibung einsetzt. Auch in Paraguay hat uns jetzt ein Fall besonders erschüttert.

Ein 10-jähriges Mädchen aus der Hauptstadt Uruguays Asunción wurde Opfer einer grausamen Vergewaltigung, aus der sie schwanger wurde. Ihr Peiniger war ihr Stiefvater, der jetzt vor dem Gesetz auf der Flucht ist. Mit starken Bauchschmerzen wurde das Kind in ein nahegelegenes Krankenhaus gebracht, dessen Ärzte zunächst davon ausgingen, dass sie es mit Darmparasiten oder einem Tumor zu tun hätten. Doch es stellte sich heraus, dass das Mädchen zu diesem Zeitpunkt bereits in der 21. Schwangerschaftswoche war. Die Mutter hatte zwar Anzeige gegen ihren Ehemann erstattet, doch stellte sich das Gericht stumm und unternahm nichts um diese Ungerechtigkeit zu ahnden.

Mädchen

In Paraguay haben junge Mädchen keine Chance über ihr Leben zu bestimmen. Ungewollte Schwangerschaften dürfen nicht abgetrieben werden. (Foto: © pixabay.de)

Stattdessen wurde die Mutter darauf hin gewiesen, dass es keinen Grund zur Annahme gab, dass weder ihr Kind noch dessen Ungeborenes in Gefahr schwebe. Dieser Ansicht dürfte man aber laut Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International keineswegs Glauben schenken, denn betrachtet man das Alter der schwangeren Person, so kann davon ausgegangen werden, dass durchaus Risiken vor und nach der Geburt entstehen könnten. Zu der Mutter sagten die Ärzte in Paraguay aber sie könne problemlos das Kind gebären.

Die Gesetze in Paraguay, wie in anderen Ländern Süd- und Zentralamerikas, sehen eine Abtreibung nur dann vor, wenn sowohl für Mutter als auch Kind eine Gefahr besteht. Abtreibungen aufgrund von Vergewaltigungen, Inzest oder Fehlbildungen des Fötus seien aber kein Grund für einen Schwangerschaftsabbruch. Doch genau dieses Gesetz ist ein massiver Verstoß gegen Menschenrechtsnormen.

Was kann schon ein unschuldiges Kind im Alter von 10 Jahren tun, wenn es von einem Erwachsenen vergewaltigt wird? Wie kann es sich wehren? Gar nicht.

Viele Menschen in Lateinamerika sind schon von Kindesbein auf gegen Schwangerschaftsabbrüche. Es wäre nicht nur gesetzwidrig, sondern auch ein Verstoß gegen katholische Normen und Werte, denn jedes Kind hat das Recht geboren zu werden. Anders scheint es aber mit den Rechten der Mütter zu sein. Vielen Frauen, die aus den oben genannten Gründen Schwanger werden, bleibt oft nur noch die Möglichkeit die Abtreibung im Geheimen zu vollziehen. Oft sind es Krankenschwester, Hebammen oder einfach nur Tanten und Großmütter, die sich bereit erklären diese Prozedur durchzuführen. Dabei entstehen mehr Risiken für die jungen Mütter und Kinder, als in Krankenhäusern oder in Arztpraxen.

Für das kleine Mädchen, das nun das Produkt ihrer Pein jeden Tag, bis zu der Geburt ihres Kindes mit sich tragen muss, kann nur hoffen, dass das Gesetz Gnade vor der „menschenverabscheuenden Vernunft“ walten lässt, die in Paraguay herrscht. Als wäre das Los, das das Mädchen gezogen hat nicht schwer genug, darf es auch nicht mehr bei seiner Mutter sein, da diese wegen angeblicher Mittäterschaft verhaftet wurde. Das Mädchen lebt seit dem 29. April in einer Einrichtung für junge Mütter.

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