Wenn Spielen zum Tod führt

Auf der Straße zu spielen ist gefährlich, davor wurden wir alle als Kinder gewarnt. Man könnte angefahren oder entführt werden. Doch was passiert, wenn die Polizei, die dich eigentlich beschützen müsste, zum Täter wird? In Cleveland wurde dieser Albtraum wahr.

Tamir Rice

(Foto: © change.org)

Der Erschießung des 18-jährigen Schülers Michael Brown in Ferguson (Missouri) durch einen Polizisten rief eine unaufhaltsame Welle der Demonstration in den USA hervor. Am 9. April 2014 wurde Brown von dem Polizisten Darren Wilson erschossen und machte einmal mehr deutlich, wie brutal und erbarmungslos die Polizei gegenüber Schwarzen durchgreift. Die nächsten Monate waren von langanhaltenden Demonstrationen geprägt, in denen Menschen, nicht nur in Ferguson, für mehr Gerechtigkeit auf die Straßen gingen. Mehr noch, es folgten weitere Erschießungen, die die Kluft zwischen Weißen und Schwarzen in den Vereinigten Staaten nur noch tiefer werden ließ.

Der Konflikt zwischen den verschiedenen Kulturen in den USA hat eine schreckliche Vergangenheit, die von Sklaverei und Ausbeutung geprägt ist. Der Konflikt zwischen US-Bürgern und Afroamerikanern ist in der Gegenwart noch immer präsent. Der Konflikt zwischen Weißen und Schwarzen wird auch in der Zukunft das Leben vieler Menschen bestimmen, wenn sich nicht bald etwas ändert. Die USA proklamiert einerseits, dass es das Land der „unbegrenzten Möglichkeiten“ sei und dass jedem dieselben Chancen gegeben werden. Andererseits werden immer noch zwischen Schwarzen und Weißen unterschieden, sei es am Arbeitsplatz, an Schulen oder auch im Gerichtssaal: Schwarze und Weiße haben nicht dieselben Rechte. Wenn ein Schwarzer in einem Mercedes sitzt, wird er angehalten. Wenn ein Schwarzer sich gegen polizeiliche Gewalt wehrt, wird er ins Gefängnis gesteckt. Wenn ein schwarzes Kind auf der Straße spielt, wird es erschossen.

So unglaublich und surreal das auch klingen mag, genau das ist am 22. November letzten Jahres passiert. Der 12-jährige Tamir Rice spielte nichtsahnend mit einer Spielzeugpistole auf der Straße, als ein Polizeiwagen auf ihm zu fuhr. Jemand aus der Nachbarschaft hatte gesehen, wie der kleine Tamir mit seinem Spielzeug rum gewedelt hatte und hat daraufhin 911 gewählt. Die Person am Telefon hatte aber noch erwähnt, dass es sich möglicherweise um ein Spielzeug handeln würde, mit dem ein Kind vermutlich nur spiele. Doch Officer Timothy Loehmann sah dies anders: Innerhalb von 0,792 Sekunden schoss der Polizist dem Jungen zwei Kugeln in den Bauch. Doch woher kennt man diese genaue Zahl? Die schreckliche Szene wurde auf Video festgehalten.

Die Aufnahmen zeigen weiter, dass die Polizisten mehr als vier Minuten warteten, bevor sie an dem Kind erste Hilfe leisteten. Tamir erlag am nächsten Tag seine Verletzungen. Die Familie des Jungen bittet jetzt in einer Petition um Unterstützung, damit diese Tat nicht ungeahndet bleibt. Nicht nur wurde ein unschuldiges Kind ermordet, auch wurde mit dieser Tat deutlich, wie unbarmherzig die Polizei gegenüber ihren schwarzen Mitbürgern durchgreift. Von einem „Freund und Helfer“, wie wir Polizisten oft nennen, kann hier nicht die Rede sein. Diese Tat wird zudem durch die Reaktion der Polizisten in ein noch schlechteres Licht gerückt, denn als die Schwester von Tamir versuchen wollte ihrem Bruder zu helfen, hatten die Polizisten nichts besseres zu tun, als sie gegen das Polizeiauto zu drücken. Auch Tamirs Mutter, die nur zu ihrem verletzten Sohn wollte, wurde befohlen sich dem Kind nicht zu nähern, da sie sonst keine andere Wahl hätten als sie festzunehmen.

Was aus den beiden Polizisten wird ist noch unklar. Sicher ist aber, dass diese keine gerechte Strafe erhalten werden solange sich nicht Menschen dafür einsetzen. Mit einer Petition kann man vieles erreichen, denn schon in einem anderen Fall konnten Millionen von Unterschriften dabei helfen für eine gerechte Verurteilung zu sorgen. Unterstützt die Verbliebenen von Tamir Rice. Helft der Familie dabei für Gerechtigkeit zu sorgen. Weil Menschen es wert sind.

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