Werden amerikanische Gerichte jemals farbenblind?

Die Vereinigten Staaten von Amerika sehen sich gerne in dem Licht das Land der unbegrenzten Freiheit zu sein. Der erste Satz der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung besagt, dass alle Menschen gleich und mit unveräußerlichen Rechten versehen sind. Allerdings steht Amerikas Justiz bis heute unter dem Verdacht nicht frei von rassistischen Vorurteilen zu sein, und dass ein halbes Jahrhundert nach dem Beginn der Bürgerrechtsmärsche. Die Zahlen sprechen für sich: In Amerikas Gefängnissen leben mehr junge Schwarze als in Wohnheimen der Colleges. Fast die Hälfte aller Häftlinge sind Schwarze, obwohl sie nur 13 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Schwarze bekommen für ähnliche Delikte weitaus höhere Strafen als Weiße. Oft wird vermutet, dass die hohe Bestrafung der Schwarzen daran läge, dass die Geschworenen der Jurys sehr häufig rein weiß sind, vor allem in Wahlkreisen, die frühere Führer des Ku-Klux-Klan wählten. Der Film Die Jury (1996) von Joel Schumacher zeigt genau dieses soziale Ungleichgewicht in amerikanischen Gerichten.

Die Jury

Bild: © imdb.com

Der Film beginnt mit der Vergewaltigung eines jungen schwarzen Mädchens durch zwei betrunkene weiße Männer. Um ihre Spuren zu verwischen, versuchen sie das Mädchen zu töten, was ihnen aber nicht gelingt. Mit dem begründeten Verdacht, dass die Männer aufgrund ihrer Hautfarbe kurze Strafen erhalten oder gar freigesprochen werden, was schon bei ähnlichen Fällen geschah, erschießt der Vater des Mädchens, Carl Lee Hailey (Samuel L. Jackson), die beiden Vergewaltiger. Hailey wird daraufhin des Mordes angeklagt und muss mit der Todesstrafe rechnen. Seine aussichtslose Verteidigung übernimmt der kürzlich erst zugelassene Anwalt Jake Tyler Brigance (Matthew McConaughey). Obwohl Brigance massiv vom Ku-Klux-Klan bedroht wird, gibt er den Fall nicht ab, weil ihm das Bild des jungen, unschuldigen, vergewaltigten Mädchens nicht nicht mehr aus dem Kopf gehen will. Seine Hauptaufgabe im Gerichtssaal besteht darin die weiße Jury zu einem farbenblinden Urteil zu führen, die Beweggründe hinter Haileys Tat zu verstehen und zu beweisen, dass Schwarze kaum eine Chance auf einen fairen Prozess haben, was zu der Selbstjustiz von Hailey führte.

Die Jury ist ein Film, der sehr gut viele der noch immer anhaltenden rassistischen Auseinandersetzungen zwischen Weißen und Schwarzen in den amerikanischen Südstaaten aufzeigt, vor allem wie das Rechtssystem für Schwarze und Weiße anders zu greifen scheint. Das Zusammenspiel des bis in die Nebenrollen hochkarätig besetzten Ensembles ist großartig und hält die Spannung den ganzen Film über sehr hoch. Dieser Film lässt einen die ganze Zeit im inneren Zwiespalt zwischen Rationalität und menschlicher Gerechtigkeit, ob ein Mörder ein klares Urteil erhalten sollte oder aus Gründen der Selbstjustiz mit der Angst kein gerechtes und farbenblindes Verfahren zu erhalten freigesprochen werden sollte.

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