Zivilcourage: Wie helfen Leben kosten kann

Jeden Tag geraten Menschen in großer Gefahr. Sei es in ihrem Beruf oder zu Hause.
Doch was passiert, wenn man in Mitten einer Fußgängerzone, in einem Kaufhaus oder am helllichten Tag einfach bedroht, ausgeraubt oder verletzt wird?

Tugce Albayrak

(Foto: © spiegel.de)

In einer zivilisierten Gesellschaft, in der jeder Mensch nicht nur für sich selbst da ist, sondern sich auch um das Wohlergehen der Gemeinschaft sorgt, würde so etwas niemals ohne Konsequenzen passieren: Man würde helfen, egal was passiert! Niemand würde wegschauen und sich für den anderen einsetzen. Schließlich möchte man auch gerettet werden. Auch wenn es viele Menschen gibt, für die so etwas selbstverständlich ist und die genauso handeln würden, tendieren wir immer mehr dazu einfach wegzuschauen. Doch warum? Sind wir egoistisch? Haben wir zu große Angst vor dem, was passieren könnte? Oder ist es uns total egal, weil wir schon mit unserem eigenen Leben überfordert sind?

Zivilcourage ist ein wichtiges Thema und keinesfalls etwas, womit jeder geboren wird. In einer Welt, in der nur Sprüche wie „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ oder „Nur die Harten kommen in’ Garten“ zählen, ist es nicht verwunderlich, dass das Einsetzen für andere immer mehr in den Hintergrund gerät. Aber das ist nur eine Seite der Medaille. Immer mehr Menschen, für die das kein Hindernis ist und die ihren ganzen Mut zusammen nehmen, um anderen zu helfen, müssen oft mit ihrem Leben bezahlen. So wie im Fall von Tugce Albayrak, die im November letzten Jahres zwei Frauen helfen wollte und dann von dem Peiniger ins Komma geschlagen wurde. Nach der Attacke erlitt die 22-jährige schwere Schädelverletzungen, die schließlich zu ihrem Tod führten. Seit diesem Vorfall stellen sich Menschen auf der ganzen Welt die Frage, warum ein junges Mädchen, dass noch ihr ganzes Leben vor sich hatte, auf so tragische Art sterben musste. Und das nur, weil sie anderen helfen wollte?

Aus psychologischer Sicht gesehen ist es nur verständlich, dass wir Angst haben. Es ist ein menschliches Instinkt Gefahren zu umgehen, um uns zu schützen. Ebenfalls warnt die Polizei immer wieder davor sich in solchen Situationen unnötig in Gefahr zu begeben und dennoch ignorieren viele Menschen solche Ratschläge, weil sie ein anderer Instinkt treibt: Menschen in Not zu helfen. Auch wenn viele nach solchen Attentaten verständlicherweise Zivilcourage in Frage stellen, so darf dieses Thema in keinem Fall ignoriert oder gar heruntergespielt werden. Viel mehr muss Zivilcourage wieder in das Bewusstsein eines jeden Menschen gebracht werden. Werden wir uns bewusst, in was für einer Welt wir leben wollen und vergessen wir nicht, dass jeder Mensch es wert ist gerettet zu werden.

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